Einheitliche Kennzeichnung für Schweinefleisch ab 1. August 2025

Ab dem 1. August 2025 tritt in Deutschland die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung für frisches Schweinefleisch in Kraft. Dies betrifft sowohl gekühlte als auch gefrorene Produkte, unabhängig davon, ob sie verpackt oder unverpackt verkauft werden. Ziel ist es, Verbraucher:innen mehr Transparenz über die Haltungsbedingungen der Tiere zu bieten und gleichzeitig höhere Standards für das Tierwohl zu fördern.

Bereits seit dem 24. August 2023 gilt das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, das die Einführung der neuen Labeling-Pflicht regelt. Nach einer Übergangsphase müssen alle Verkaufsstellen – vom Lebensmittelhandel über Metzgereien bis hin zum Online-Handel – entsprechende Angaben zu den Haltungsformen machen.

Die fünf Haltungsformen im Überblick

Das neue schwarz-weiße Tierhaltungslabel unterscheidet fünf verschiedene Haltungsformen:

  1. Stall – Haltung auf engem Raum ohne Auslauf.
  2. Stall+ Platz – Etwas mehr Platz und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten.
  3. Frischluftstall – Zugang zu Frischluftbereichen innerhalb der Stallanlagen.
  4. Auslauf/Weide – Tiere haben Zugang zu Außenbereichen oder werden auf Weiden gehalten.
  5. Bio – Die höchsten Standards für Tierwohl und Fütterung, zertifiziert nach EU-Bio-Richtlinien.

📌 Tipp: Achten Sie beim Einkauf gezielt auf das Tierhaltungslabel, um bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Weitere Informationen bietet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Wichtige Ausnahmen und Übergangsregelungen

Produkte, die vor dem 1. August 2025 produziert und eingefroren wurden, dürfen auch nach Inkrafttreten der Kennzeichnungspflicht noch ohne das neue Label verkauft werden. Dies soll verhindern, dass ältere Bestände vernichtet werden müssen.

Außerdem gelten aktuell keine Kennzeichnungspflichten für verarbeitetes Fleisch, Wurstwaren oder Produkte aus anderen Tierarten wie Rind und Geflügel. Verbraucher:innen können also weiterhin nur bei frischem Schweinefleisch auf transparente Informationen zur Tierhaltung zurückgreifen.

📌 Tipp: Nutzen Sie auch Bio- und Fairtrade-Siegel als zusätzliche Orientierungshilfe beim Einkauf.

Kritik und Forderungen nach Ausweitung der Kennzeichnungspflicht

Verbraucherschützer und Tierschutzorganisationen begrüßen die neue Regelung, kritisieren jedoch, dass sie nicht weit genug geht. Der Fokus auf Schweinefleisch sei ein erster Schritt, aber andere Tierarten sowie verarbeitete Produkte sollten schnellstmöglich in die Kennzeichnungspflicht einbezogen werden.

Christiane Kunzel, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, erklärt dazu: „Weitere Schritte müssen möglichst rasch folgen, wie die verpflichtende Haltungskennzeichnung von Fleisch anderer Tierarten wie Rind und Geflügel, ebenso für Milch und verarbeitete Fleischprodukte.“

Auch beim Essen in Restaurants und Kantinen fordern Verbraucherschützer eine bessere Kennzeichnung, damit Gäste die Möglichkeit haben, bewusste Entscheidungen zu treffen.

Tierwohl und Alternativen – Was können Verbraucher:innen tun?

Das Thema Tierwohl gewinnt immer mehr an Bedeutung. Untersuchungen zeigen jedoch, dass viele Verbraucher:innen immer noch zu wenig über die tatsächlichen Haltungsbedingungen wissen und bei der Kaufentscheidung hauptsächlich auf den Preis achten.

Vorreiter im Bereich Tierwohl

Einige Unternehmen und Handelsketten setzen bereits verstärkt auf Tierwohl und transparente Kennzeichnungen:

  • REWE: Führt ein eigenes Tierwohl-Label und fördert nachhaltige Lieferketten.
  • ALDI: Verpflichtet sich zur vollständigen Umstellung auf höhere Haltungsstufen bis 2030.
  • EDEKA: Bietet in vielen Filialen Produkte mit Bio-Siegel und Tierwohlzertifikaten an.
  • Lidl: Setzt auf strengere Tierschutzstandards und ein erweitertes Bio-Sortiment.

Alternativen zum klassischen Fleischkonsum

Wer sich stärker für Tierwohl einsetzen möchte, hat verschiedene Alternativen:

  • Bio-Fleisch kaufen: Produkte mit Bio-Siegel erfüllen strenge Vorgaben zu Haltung, Fütterung und Platzangebot.
  • Vegetarische und vegane Alternativen: Fleischlose Produkte aus Pflanzenproteinen oder Pilzen sind heute schmackhaft und vielfältig.
  • Regionale Anbieter unterstützen: Direkt vom Bauernhof oder auf Wochenmärkten kaufen – oft mit besserer Transparenz zu Herkunft und Haltung.

📌 Tipp: Weitere Informationen zu nachhaltiger Ernährung und Tierwohl bietet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Deutschland im internationalen Vergleich

Deutschland nimmt mit der verpflichtenden Kennzeichnung von Schweinefleisch eine Vorreiterrolle ein, liegt aber im Vergleich zu einigen Nachbarländern noch zurück:

  • Dänemark: Führte bereits früh eine umfassende Kennzeichnung für alle Fleischsorten ein.
  • Niederlande: Hat strenge Regelungen zu Haltungsbedingungen und fördert Bio-Labels aktiv.
  • Schweiz: Setzt auf hohe Standards und fördert tierfreundliche Haltung durch staatliche Zuschüsse.

Während Deutschland erste Schritte unternimmt, bleibt die Herausforderung, die Kennzeichnungspflicht auf weitere Produkte und Tierarten auszuweiten und so einen langfristigen Wandel zu fördern.